Patchwork auf Bengalisch

Seit ich zurück auf dem Land bin, bemerke ich in allen Dörfern, die ich besuche, nähende Frauen.

Sie sitzen zusammen vor ihren Häusern oder auf dem Dorfplatz in der Sonne und fertigen Decken aus zerissenen Kleidern und alten, verblichenen Saris. Die bunten, leuchtend gemusterten Stoffe sind vom vielen Tragen schon ganz dünn und weich geworden. Die Frauen legen sechs oder sieben Lagen übereinander und helften die Decke grob zusammen.

Dann beginnt die monatelange Arbeit des Nähens mit dem Kanthastich, für den Bangladesch in der Kunsthandwerkerwelt bekannt ist. Kantha bedeutet, das man die ganze Decke regelmäßig mit  bunten Fäden durchzieht, steppt sozusagen, immer hoch und runter hoch und runter, in lauter kleinen Stichen. Das sieht am Ende sehr, schön aus und die Decken halten ewig. Weil es in Bangladesch die meiste Zeit über warm ist, sind die Decken nur dünn. Ich habe sie in vielen Häusern, die ich beuscht habe, auch dem Bett liegen sehen, und wenn auch nur zur Zierde und als Andenken an die Oma, Mama oder Tante, die soviel Arbeit und Liebe hineingestickt hat.

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Kommentare: 1
  • #1

    Helga Pfeffer (Mittwoch, 06 Mai 2015 23:03)

    Liebe Emilia,Du kannst Dir vorstellen,daß mich Dein Beitrag über Patchwork sehr interessiert hat. Mich beindruckt die Spontanität beim Zusammenstellen der Stoffe.Nicht so geplant und ausgeklügelt wie bei uns, aber sehr, sehr schön.Ich freue mich auf mehr Fotos von Decken.