Hochzeitseinladungen

Gleich zwei Freundinnen von mir haben mich diese Woche zu ihren Hochzeiten eingeladen, die schon im Juni stattfinden sollen. Und beide sind schrecklich aufgeregt und bange, denn sie kennen ihren zukünftigen Ehemann nur wenig. Die Ehe wurde schließlich vom Vater arrangiert, wie das in Joypurhat der gute Ton verlangt.

Sorry, dass das schon wieder der nächste Eintrag über Hochzeiten ist, aber das Thema lässt mich nicht los. Diesmal heiraten aber erwachsene Frauen



Meine Kollegin und Freundin Mina ist ein wenig älter als ich, 24 nämlich. Sie ist als Program Organizer für 10 Grundschulen und damit auch für fast 300 Schüler und 10 Lehrerinnen verantwortlich. Ich mache gerne mit ihr Schulbesuche, weil wir beide immer viel zu besprechen und zu lachen haben. Noch letzte Woche haben wir auf einem wackeligen Rikshavan unterwegs auf einer kleinen Straße übers Heiraten gesprochen.

Wie immer habe ich auf die Fragen der Bangladeschis in einer Schule erklärt, dass ich jetzt noch nicht heiraten will. Erst studiere ich, dann arbeite ich und dann finde ich jemanden der mir gefällt. Dieses Lebenskonzept hörten ein paar Leute auf dem Dorf das erste Mal und sie akzeptierten staunend, dass man das im Ausland wohl so macht.  Mina dagegen stimmte mir aus vollem Herzen zu. Sie erzählte, dass ihr Job ihr Spaß mache und sie vielleicht sogar noch einmal studieren wolle. Ihr Traum war es nicht zu heiraten, sondern sie wollte mit einer Freundin zusammen ziehen und ihr Leben geniessen. Man ist nur einmal jung.


Gestern, eine Woche nach diesem Gespräch, ist Mina ganz aufgeregt zu mir gekommen und hat mir stockend die Neuigkeiten berichtet. Sie wird heiraten, vielleicht schon in einem Monat. Ihre Eltern haben schon lange nach einem guten Ehemann für ihre älteste Tochter gesucht, erklärt sie mir. Sie ist jetzt 24 und die Leute im Dorf fragen sich, warum sie nicht heiratet sondern arbeitet und den ganzen Tag herumfährt. Ihre Eltern haben die Sorge, dass die Leute im Dorf sich bald nicht mehr nur wundern sondern auch anfangen schlecht über Mina zu reden. Deswegen haben sie es eilig mit der Ehe, viel eiliger als Mina und haben sich umgesehen. Einen Kandidat hat Mina schon abgewiesen, aber als ihr Bräutigam letzte Woche kam um sie als Heiratskandidatin zu besichtigen, war Mina gar nicht so abgetan.


Sie zeigt mir ein Handyfoto und fragt aufgeregt, wie ich ihn finde. Er ist groß und sehr dunkel, dass ist sexy, sagt Mina. Und auch seine Speckrollen am Bauch gefallen ihr, die machen ihn stattlich. Am Ende sind diese drei Oberflächlichkeiten die Gründe, warum Mina der Heirat zugestimmt hat. Früher oder später wird sie sowieso eine arrangierte Ehe eingehen, um ihre Eltern glücklich zu machen, und die Kandidaten werden mit der Zeit nicht besser. Lieber jetzt die Chance ergreifen, dachte sie sich.


Ich frage, wie er vom Charakter her so ist, ob sie schon mit ihm geredet hat. Sein Charakter, Mina lacht, ja der ist wichtig. Aber er ist gut, keine Sorge, dass hat ihr Vater gesagt. Geredet hat Mina mit ihrem zukünftigen Bräutigam nur sehr wenig. „Wir haben beide Angst und sind schüchtern.“, sagt sie, „ Er hat mich heute angerufen und gefragt, wo ich bin und was ich gegessen habe.  Ach, ich war so aufgeregt.“  Mina erklärt mir, dass nach der Hochzeit noch genug Zeit bleibt, um zu reden und sich anzufreunden.


Was ihr am meisten Sorgen macht, ist das der Verlobte so weit weg von Joypurhat wohnt und Mina wohl selten nach Hause kommen wird. Es wird schlimm, so weit weg von den Eltern und Geschwistern ein neues Leben zu beginnen, angefüllt mit Pflichten und Umständen, von denen Mina nur wenig oder nichts weiß. Schwiegereltern, Haushalt führen, Kinder machen,...  Mina kichert ganz verlegen und unwohl als ich vorsichtig eine Frage in diese Richtung stelle. Ich sage lieber nichts weiter, mache mir aber ein bisschen Sorgen.


Ihr Mann arbeitet mal dies mal das. Er hat ein Elektroauto und handelt mit verschiedenen Waren. Mina wird ihr ganzes Leben mit ihm zusammen bleiben, ob sie sich nach der Hochzeit nun anfreunden oder nicht. Bei Hindus existiert die Möglichkeit der Scheidung theoretisch nicht und praktisch hört man auch kaum davon.

Mina hat die Erlaubnis bekommen, dass sie noc h nach der Hochzeit in Joypurhat wohnen bleiben darf, um die Schulen bis zur Grundschulprüfung zu führen. Sie freut sich sehr, weiter arbeiten zu können. Gleichzeitig vibriert sie vor Aufregeung und Spannung. In diesem Monat hat ihre Familie viel zu tun. Sie muss die hohe Mitgift für Mina organisieren, viel Geld und Gold und den Brautschmuck. Mina muss einen Hochzeitssari kaufen und das Fest mit allen Bekannten, Verwandten und Kollegen vorbereiten. Die Verlobung wird nächste Woche abgewickelt und der Termin festgelegt.


Ich staune, wie schnell alles geht und übe schon mal Sari tragen.

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Kommentare: 3
  • #1

    Claudine (Dienstag, 12 Mai 2015 21:42)

    De beaux jeunes gens!.....dommage qu'ils ne se soient pas choisis et qu'ils n'aient pas eu plus de temps pour apprendre à se connaître!
    Les femmes européennes ont bien de la chance de ne plus vivre de tels arrangements familiaux!
    J'ai un très joli souvenir en tête, Emilia!
    Te souviens-tu du soir où tu as essayé ma robe de mariée?... C'était moins coloré et nous avions tous beaucoup ri!

  • #2

    Gerdi und Thomas (Montag, 25 Mai 2015 13:34)

    Das Thema lässt Dich nicht los?

  • #3

    Emilia (Montag, 06 Juli 2015 20:30)

    Bien sur je me rappelle, Claudine! Das war wirklich ein schöner Abend bei dir!