Was ich den ganzen lieben Tag lang so mache

Bevor ich nach Joypurhat kam, konnte ich mir nie richtig vorstellen, was man als Freiwilliger eigentlich zu tun hat. Für alle, denen das genauso geht, beschreibe ich mal kurz meinen Arbeitsalltag.


Freiwilligenarbeit besteht aus vielen verschiedenen Aufgaben. Ich helfe meiner Chefin und Mentorin Kerina bei dem Vorbereiten von Reports, Briefen und Präsentationen. Wir beide haben uns sofort verstanden und können gut zusammen arbeiten. Sie erklärt mir alles was gerade anliegt und nimmt mich überallhin mit. Ich brauche keinen eigenen Schreibtisch, weil ich mit an Kerinas sitzen darf.

Mindestens dreimal in der Woche fahren wir zu den Schulen. Manchmal nimmt mich Kerina auf dem Motorrad mit, manchmal fahre ich mit einem der Schulbetreuer. Wir hospitieren im Unterricht oder bei den anderen Schulaktivitäten. Hier findet gerade ein Elternabend statt. Weil gerade Reiserntezeit ist, sind viele Omas und große Schwestern der Schüler gekommen.

Meine Hauptaufgabe als Freiwillige ist die Völkerverständigung, der Austausch zwischen Bangladesch und Deutschland. Dazu gehört dieser Blog genauso wie meine täglichen Gespräche, in denen ich vom deutschen Wetter, dem deutschen Essen und den deutschen Heiratstraditionen erzähle. Und auch dazu gehört der Schüleraustausch zwischen deutschen und bengalischen Schulen. Hier öffnen die 5. Klässler und ich gemeinsam einen Brief aus Deutschland und lesen die Nachrichten der Kinder, die soweit weg wohnen.

Das macht uns allen riesigen Spaß.

Damit die deutschen Kinder auch etwas aus Bangladesch bekommen mache ich Fotos und Berichte von allen Schulen und bastele mit den Kindern Geschenke und Briefe zum Verschicken an die deutschen Freunde.

Hier posen wir und strengen uns an glücklich und lustig zu gucken. :)

Ich erzähle auch Geschichten aus Deutschland, zeige Bilder, singe Lieder, spiele Spiele und dafür zeigen mir die Kinder auch ihre Lieder, Spiele, Bilder, Geschichten und Familien, von denen ich dann in Deutschland erzählen kann.

Am meisten machen den Schülern die Spiele Spaß, die ich so einfach wie möglich auf Bangla erklären lernen musste. Richtig gut hat das erst nach einiger Zeit geklappt. Es ist sehr interessant die Schulen zu besuchen, die alle ein bisschen unterschiedlich sind. Man kann richtig sehen, wie die Schüler größer werden und immer mehr begreifen.

Die Field Visits sind der schönste Teil meiner Arbeit.

Dazu kommt noch das Berichte schreiben für NETZ und der Blog und alles andere, was sich auf dem Schreibtisch ansammelt. Auch Büroarbeit mach mir Spaß und ist in jedem Fall kräfteschondender als das Field.

Dazu nimmt mich Kerina oft mit zu Meeting der lokalen NGOs oder zu Besuchen von anderen Projekten. Ich höre zu und beobachte, auch wenn ich nur wenig von den Diskussionen verstehen kann.

Zum Schluss verbringe ich auch einen guten Teil meiner Arbeitszeit mit Tee trinken und schwatzen mit den Kollegen. Das kann ich nur leider nicht in meinen Weekly Plan, meine Wochenplanung  für NETZ hineinschreiben.

(Nicht denken, dass ich faul bin. In Joypurhat arbeite ich sogar mehr als die verlangten 40 Stunden.)

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Kommentare: 2
  • #1

    Frank & Tanja (Freitag, 22 Mai 2015 18:38)

    Deine Arbeit klingt sehr interessant und könnte mir auch Spaß machen. Vor allem beschriebst Du sie mit Freude. Man merkt, dass es Dir Spaß macht.

  • #2

    Gerdi undThomas (Montag, 25 Mai 2015 13:14)

    Man kann es auch "täglicher Erfahrungsaustausch" nennen...