Man kann Fleisch sehen

Das ist die Schulklasse von Sreemontapur, einem kleinen Dorf im Nordwesten Bangladeschs, nur einen Steinwurf entfernt von der indischen Grenze.

32 Kinder lernen in der 5, Klasse und auch Ribon geht seit dem Winter in die kleine Schule.

Er ist gerade erst mit seinen Eltern aus Dhaka, der Hauptstadt zurück nach Sreemontapur gezogen.

Das ist Ribon. Er ist 12 Jahre alt und ein kluger, bedachter Junge, der in Bangla zu den besten der Klasse gehört. Außerdem kann er sehr gut tanzen. Das hat er zusammen mit seiner kleinen Schwester Suraya in Dhaka gelernt.


Letzte Woche ist Ribon auf einen Mangobaum im Dorf geklettert, um für seine Mutter unreife Mangos zu pflücken. Daraus macht man in Sreemontapur ein Gemüsegericht.

Der Baum war so dünn, dass er Ribon nicht halten konnte. Ribon fiel herunter und brach sich den Arm, aber richtig böse.

Knochen guckten heraus und man konnte das Fleisch sehen.

Ribon weinte nicht. Er konnte alles gar nicht begreifen. Ribons Eltern bekamen große Angst um ihren Sohn, aber sie brachten ihn nicht ins Krankenhaus, sondern zu einem Kobiraj. Das ist ein traditioneller, islamischer Heiler. Viele Einwohner von Sreemontapur trauen ihm viel mehr, als den Arzten in den Kliniken. Er benutzt sein althergebrachtes Wissen, Kräuter und Medikamente genauso wie Gebete und Amulette, um die Menschen zu heilen.

Der Kobiraj verlangte viel Geld von Ribons Eltern, 2000 Taka, aber immerhin noch weniger als das Krankenhaus. Dort weigern sich die Ärzte manchmal, arme Patienten zu behandeln.
Der Kobiraj stabilisierte den Arm mit Stöcken und verband ihn so, dass Luft an die Fleischwunden kommt.Er gab Ribon auch eine Schlinge, um den Arm im Alltag zu schützen.

Als Ribon am nächsten Tag in die Schule kam, erschreckte sich die Lehrerin sehr und gab ihm frei. Sie fand, dass der Verband nicht besonders professionell aussah und wollte Ribons Eltern überreden, mit dem Jungen ins Krankenhaus zu gehen. Sie hat von zwei anderen Kindern im Dorf gehört, die an der Infektion einer Fleischwunde gestorben sind. Sie macht sich große Sorgen um Ribon. Aber seine Eltern wollen nicht zum Doktor fahren, sie glauben nicht an mehr Erfolg durch westliche Medizin und geben Ribon Schmerzmittel. Sie hoffen, dass es Ribon in 2 Monaten wieder gut geht.

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Kommentare: 3
  • #1

    Claudine (Montag, 18 Mai 2015 21:30)

    Espérons que ce petit garçon guérira de cette vilaine blessure et qu'il n'aura pas de séquelles!
    Nous mesurons la chance que nous avons d'avoir un système de santé performant pouvant apporter des soins aux plus démunis (quoique pas toujours évident en ces temps de crise!) ....et des médecins à la pointe de la science!

  • #2

    Gerdi und Thomas (Montag, 25 Mai 2015 13:02)

    Wir drücken Ribon die Daumen und wünschen ihm, dass sein Arm heilt.

  • #3

    Emilia (Montag, 06 Juli 2015 20:34)

    Ich war letzte Woche noch einmal in Sreemontapur. An Ribons Arm sieht man nur noch eine kleine Narbe und er kann alles machen. Er lernt fleißig für die Grunschulabschlussprüfung. Der Kobiraj hat ganze Arbeit geleistet - Respekt!