Vorfreude auf Ramadan

Ramadan, die Fastenzeit des Islams, beginnt bald. Ich kannte in Thüringen kaum Muslime, habe nie zuvor Rosar, das Fasten, miterlebt. Also habe ich gespannt die Leute ausgefragt: „ Wie ist das Fasten, wie funktioniert Ramadan?“


Der Künstler Iqbal schüttelt traurig den Kopf. „Nichts los, einen ganzen Monat lang, eine todlangweilige Zeit. Keiner schaut sich Austellungen an, keiner geht ins Kino, keiner organisiert ein Fest.“


„Du solltest mal sehen,“, lacht mein Freund Utsho, „ dann schließen die Restaurants nicht, wie man meinen sollte. Sie hängen einfach Decken vor den Eingang und die Fenster, so dass keiner sieht, wer das Fasten bricht. Aber das ist ja auch gut für Rikshafahrer, die so schwer arbeiten und für die Hindus und Christen sowieso.“


Mein Kollege Mrita schließt genießerisch die Augen: „ Nicht zu Trinken, dass ist hart. Den Tag ohne Essen auszuhalten ist aber nicht schwer, vor allem weil es dann zur Dämmerungszeit, wenn der Muezzin gerufen hat, die besten Leckereien gibt. Jeden Abend ein Festessen. Wenn du auch fastest, dann kaufe ich dir all die guten Sachen.“


Mein allerbester Dulal erzählt mir: „ In der Ramadanzeit steigen alle Preise auf dem Markt an, manches Gemüse wie Auberginen oder Gurken wird gar doppelt so teuer. Das liegt an der größeren Nachfrage und an den Händlern, die spekulieren. Es ist ein Wahnsinn.“


Mein Schneider schaut mich entschuldigend an: „Natürlich bist du eine gute Kundin, aber Ramadan ist nunmal eine Ausnahmezeit. Ich bin so überfüllt mit Aufträgen, ich weiß gar nicht wo ich noch Zeit hernehmen soll. Alle Muslime lassen sich neue Sachen schneidern, weil man das Fastenbrechen, das Eid Fest, traditionell in neuen Kleidern feiert. Ich kann dein Kleid wirklich erst nach Eid nähen, das musst du verstehen.“


Shefali, die Buchhalterin in meinem Office ist Hindu. „Ich hab noch nie das Fastendrama mitgemacht. Aber ich finde es ganz nett, dass im Ramadanmonat das Office nicht um 5 p.m. sonden 3:30 p.m. zuende ist. Unsere lieben muslimischen Kollegen schlafen nachts zu wenig und kochen viel. Wir Hindus fasten auch zwei mal im Monat, aber dann den ganzen Tag durch. Wir essen keinen Reis am Abend.“


Mein Onkel Raja aus der Bibliothek lächelt verschmitzt, als ich ihn nach seinem Fasten frage. „ Ach weißt du, ich hab damit nichts mehr am Hut, ich bin jetzt alt und ich esse. Meine Frau, ja die fastet und meine Tochter auch. Sie stellen mir immer etwas zum naschen in den Kühlschrank. Und meine kleine Enkelin, die ist ja erst 5. Die fastet auch noch nicht.“

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