Erster Fastentag

... und der Hunger hält sich erstaunlicherweise in Grenzen. Das liegt vielleicht auch an den Temperaturen über 40 °C draußen. Ich beweg mich lieber nicht, um kein Wasser zu verlieren.


Ich möchte dieses Jahr zum ersten Mal das Ramadanfasten ausprobieren, was in meinem Office sehr unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Die Muslime sind sehr erfreut, klopfen mir auf die Schulter und erkundigen sich alle 2 Stunden ob ich auch wirklich nichts getrunken habe und schauen nach, ob ich schon umgekippt bin. Sie sind stolz und es macht wirklich Spaß, mit allen zusammen zu fasten.

Die Hindus und Christen schütteln den Kopf. "Und dem nächst willst du dich in die Moschee schmuggeln oder was? Christen fasten nicht an Ramadan!" Das würde ich in der Tat gerne machen, aber das sage ich nicht.

Ich erkläre stattdessen, dass man alles mal ausprobieren soll. Alleine essen wäre ja auch zu traurig. Da teile ich lieber die Vorfreude auf das Fastenbrechen Iftar, wenn um 7 der Muezzin ruft. Dann gibt es in Öl gebackene Snacks und auch Datteln und Süßes zum Reis. Und nachts um 3 aufzustehen, um das Sehri zu essen, ist sowieso richtig aufregend. Es erinnert mich ein bisschen an die Osternacht zuhause. Mein erstes Sehri (nachdem ich den ersten Fastentag wegen Krankheit nur halbherzig leben konnte) war sowieso das allerbeste.

In meinem Office lebe ich zurzeit mit dem allerbesten Dulal, der office assistant, und einem Kollegen des Microfinanceprojekts, der neu in Joypurhat ist und noch kein Haus hat. Um drei hat Dulal uns alle geweckt und dann haben wir angefangen schnell,schnell zu kochen. Dulal hat den Reis und kleine Kartoffeln gekocht. Ich habe Chilis und Zwiebeln geschnitten und der Kollege hat scharfen Kartoffelbrei geknetet.

Zuerst haben wir den Reis vom Abend mit Wasser, Salz und scharfem Kartoffelbrei gegessen. (Panthabat) Danach kam das Beste überhaupt. Den frischen, heißen Reis haben wir gesalzen und dann hat jeder eine Mango bekommen, mit den Finger und Zähnen geschält und mit den Händen in den Reis gematscht. Das war mir eine große Freude, vor allem weil die Mangos hier jetzt so gut sind, wie ich mir nie im Leben hab träumen lassen. Solche Mangos gibt es in Deutschland nicht. Dieser Babybrei hat mit Milch übergossen fantastisch geschmeckt und ich habe ihn schnell heruntergeschlungen, denn kurz vor 4 ruft der Muezzin, meine Kollegen gehen beten und das Fasten beginnt von neuem. Und wehe dem, der es vorher nicht noch schnell geschafft hat 3 Gläser Wasser herunterzukippen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Thomas und Gerdi (Sonntag, 21 Juni 2015 14:56)

    Deine Arztstory war besser.

  • #2

    Regine (Freitag, 17 Juli 2015 13:43)

    Ich erinnere mich an viele gute Iftar-Essen in der Türkei, im Kosovo, in Bosnien etc. Wie ist es Dir weiter im Ramadan ergangen? Heute am 17.7. ist Eid, das Ihr sicherlich auch feiert?!