Mela!

Mela, das ist ein Wundertütenwort, das aus den großen, rostigen Megafonen von Werberikshas hallt. "Mela, Mela, Mela, ab heute Mela!" klingt es durch die Straße und Vorfreude knistert in der Luft. Mela, das heißt Jahrmarkt. Melas werden an Festtagen veranstaltet, wie dem bengalischen neuem Jahr und auch in den kleinsten Dörfern kommen ein paar Buden und Schaulustige zusammen.

Diese Mela findet zwar auch mitten auf dem Land statt, aber schon seit über 50 Jahren. Sie ist ein berühmtes Event, vor allem für die Hindus der Gegend, denn sie wird an einem ihrer Festtage (so ähnlich wie Buß- und Bettag, man wäscht sich im Fluss von seinen schlechten Taten und Gedanken rein) um einen Tempel am Fluss herum veranstaltet. Der Sandweg zum durch die Felder, der zur Mela führt, ist seit dem Morgen überfüllt von Jahrmarktgängern, eine wimmelnde Ameisenstraße. Es sind viele Hindus, aber auch Muslime, Christen und Buddhisten, alt und jung, Männer und Frauen, eine große, bunte Menge.

Auf der Mela gibt es alles was das Herz begehrt. Man wird sofort angelockt von den leckersten Gerüchen. Da Popcorn, dort Berge von Zuckerelefanten und Süßigkeiten, weiter hinten werden in heißem Fett leckere Snacks gebacken. Frittierte, scharfgewürzte Zwiebel- und Kartoffelbällchen, frittierte Auberginen,Teigtaschen und fetttriefende Zuckerkringel, lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen.


Neben einer riesigen Kosmetikmeile und den Spielzeugständen stellt ein Mann an einer Puppe eine neue Art von Haarspange vor. Er wickelt die langen schwarzen Haare der gruseligen Attrappe auf die verschiedensten Arten auf einen Plastikschnipsel mit Loch und macht daraus eine große Show.  Viele Mädchen sind stehen geblieben und ihre männlichen Begleiter schauen auch sichtlich interessiert an den technischen Anleitungen des Verkäufers zu. Am Ende wird er aufgefordert, auch an echten Objekten zu demonstrieren, aber die schiere Haarmenge seines Models überfordert das Pastikteil. Trotzdem kann der Mann viel verkaufen, das Plastikteil ist eine Neuheit.


 

Für die Jungs gibt es neben der Schminke Stände mit Sonnenbrillen, Caps, prolligen Uhren und Messern. Dazwischen findet sich ein Zaubererstand an dem Kartentricks gezeigt werden.

Die Kinder bekommen bunte Heliumluftballons gekauft, die in neonfarbenen Trauben aus Flugzeugen, Fischen und Kühen über den Köpfen schweben. Außérdem gibt es buntbemalte Holzautos, Plastikpuppen, Schaumstoffpferdchen, Windräder, Puppengeschirr, Sachen zum hinterherziehen und eine Menge Tröten. Ein Mann druckt Kindertatoos in beißend roter Farbe auf kleine Händer und Finger. Ein besonders bunter Stand verkauft Spardosen aus Ton und daneben führt ein Mann vor, wie man mit einer faszinierenden Schablone geometrische Blumen zeichnen kann.

 

Am besten aber ist der Teil mit den Hindusachen. Dort gibt es große Muscheln für das Gebet, golden schimmerndes Geschirr und Gegenständer für die Anbetung der Götter, knallbunte stilisierte Bilder von Krishna,Gonesh, Durga und Co. aber auch riesige Plakate mit Babys oder Paaren im Eigenheim. Träume der Menschen zum an die Wand hängen. Die Frauen begutachten auf dem Boden ausgebreitete Armreifen, Shakas, aus Muscheln geschnitzt, die alle verheirateten Mädchen tragen. Sie sind mit schönen Mustern verziert.

Dazu gibt es Sidur, rotes Pulver, mit dem die Hinduehefrauen sich Punkt auf die Stirn und strich in den Scheitel malen. Aus hellen Lehmbrocken wird eine Paste gemacht, mit der man sich zu Feiertagen und Gebet bemalt.

Es klimpern Ketten mit den Götterbildern und Ketten aus dem Holz von der heiligen Tulshistaude, die sehr viele Hindus um den Hals tragen. Armbänder aus Wollfäden  in verschiedenen Farben werden an Feiertagen umgebunden. An ihnen kann man in Schulklassen ot die Hindukinder erkennen.


Weiter hinten kann man eine große Auswahl bestickter, bemalter und geflochtener Handfächer bewundern, die bei der Hitze der vom Himmel stechenden Sonne, gleich ihren praktischen Nutzen entfalten können. In der Nähe gibt es auch Haushaltswaren, vor allem Korbflechtereien wie Körbe zum Aufbewahren oder Waschen von Reis oder zum Hühnertransport.



Der Tempel ist ein einfaches, weißes Steinhaus und der Göttin Kali geweiht. Er ist speziell für Totenzeremonien gebaut wurden. Hindus begraben die Körper ihrer Verstorbenen nicht sondern verbrennen sie. Die Asche wird dem Wasser übergeben. Für die Bestattung wurde hier extra ein Eisengerüst aufgestellt, das den Scheiterhaufen hält. Unteer dem Gerüst führt ein kleiner Kanal hinunter zum Fluss, durch den die Asche ganz einfach ins Wasser gelangt.


Und das ist die Familie meiner Kollegin Shefali, die nur 10 Minuten zu Fuß von dem ganzen Spektakel wohnt und mich dazu eingeladen hat.
Und das ist die Familie meiner Kollegin Shefali, die nur 10 Minuten zu Fuß von dem ganzen Spektakel wohnt und mich dazu eingeladen hat.


Spiele gibt es natürlich auch. Man kann Wettrennen, Ballons abschießen und versuchen Ringe über Holzklötze zu werden, um das Geld darauf zu erbeuten. Der größte Spaß bleibt das hölzerne Riesenrad, Nagurtola genannt, dem zwei starke Männer Schwung geben.



So eine Mela ist ein großer Spaß, aber auch ziemlich anstrengend. Am Ende gehen müde die großen und kleinen Besucher, ihre neu erstandenen Besitztümer fest in der Hand haltend, nach Hause. Die Händler packen ihre Stände, ihre Höckerchen und Waren auf Rikshavans und reisen weiter. Zum nächsten Jahrmarkt, der in einer anderen Stadt schon von den Megafonen ausgerufen und den Kindern hereigesehnt wird.


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Kommentare: 5
  • #1

    Helga Pfeffer (Mittwoch, 24 Juni 2015 15:10)

    Da gehen mir beim Betrachten der Fotos schon die Augen über .Wie mag es dann erst in Der Wirklichkeit sein.Das Riesenrad ist genial.Schade, daß es bei uns einen TÜV gibt, der so etwas Kreatives ohne Strom nicht zuläßt.

  • #2

    Maike (Mittwoch, 24 Juni 2015 16:13)

    So viele Melas :) Du wohnst in einer richtigen Partygegend :D

  • #3

    Claudine (Mittwoch, 24 Juni 2015 19:14)

    Encore un joli reportage haut en couleurs!!!
    On aimerait bien participer à cette jolie fête!

  • #4

    Gerdi und Thomas (Samstag, 04 Juli 2015 14:26)

    Wundertütenwort - das ist Klasse. Und die Fotos sind wieder Super.

  • #5

    Frank & Tanja (Freitag, 17 Juli 2015 22:42)

    Farbenfroh und Kunderbunt..... Einfach Klasse.....