Schule im Matsch

Die Kinder, die in der NETZ-Schule von Dokkhin Gopalpur lernen, müssen heute die Hosenbeine hochraffen, um ihr Klassenzimmer zu erreichen. In den letzten Tagen sind immer wieder heftige Regenschauer vom Himmel gefallen, die den Schulhof in einen Matschsee verwandelt haben. Der Monsoon hat begonnen in Bangladesch und das merkt man nicht nur an den großen Flüssen.

Die meisten Kinder wohnen nur 5 - 10 Minuten Fußweg von dem Schulhaus aus Jute und Bambus entfernt. Trotzdem nehmen sie lieber einen Regenschirm mit auf den Schulweg, denn der Himmel ist den ganzen Tag über schwarz bewölkt und droht mit Schauern, die einen in drei Minuten bis auf die Haut durchnässen.


Zum Trocknen wird der Schirm dann an die Schulwand gehängt und dort wartet er bis auf das Unterrichtsende um 5 Uhr nachmittags.

In der Regenzeit kann man nach der Schule die besten Spiele spielen. Man kann in den vollgelaufenen Reisfeldern baden, auf dem Matsch entlang rutschen wie die Kinder in Deutschland auf der Eisbahn oder Figuren aus dem nassen Lehm formen.

Prionto ist 10 Jahre alt und er mag die Regenzeit ganz gerne, zumindestens am Anfang.

Aber leider sind seine Hefte ein bisschen feucht geworden. Von Juni bis August muss man alle seine wichtigen Sachen gut verstauen und aufpassen, dass sie nicht aufweichen oder schimmeln.

Zum Glück gibt es bei Prionto zuhause eine große Blechtruhe.

Das Huhn der Nachbarin stakst durch den Schlamm vor der Schule, es läuft langsam und rutscht nicht aus, wie es den Kindern beim Rennen leicht passiert.

An dieser Stelle sinken die 5.Klässler bis zum Knöchel in den Schlamm ein.

Weil der Boden so aufgeweicht ist, hat der Wind ein einfaches Spiel, wenn er durch Dokkhin Gopalpur weht. Auch dicke alte Bäume fallen dann um und der Strom ist  bei jedem Schauer weg. Die Regentropfen prasseln dann heftig laut auf das Wellblechdach der Schule und Amol Sir muss eine Pause im Unterricht machen weil keiner ihn versteht. Wenn der Regen vorbei ist, ist es stockduster im Klassenraum, weil draußen das Licht so schwach ist.

Der Lehrer wird eine Lampe installieren, denn Dokkhin Gopalpur hat das Glück, dass der Bürgermeister ihnen eine Stromanbindung und kostenlose Elektrizität geschenkt hat. Damit wird in heißen Tagen ein Ventilator betrieben.

Jetzt muss sich der Lehrer etwas ausdenken, damit seine Schüler zur Schule kommen können. Er hat Bananenblätter als Brücke über den Schulhof gelegt.

Die Kinder kommen trotzdem mit Freude zur Schule, auch wenn der Weg beschwerlich ist und alle anderen Grundschulen jetzt Ramadanferien haben.

Sie haben Spaß mit der ganzen Klasse und das Klassenfoto wird auf dem erhöhten und Matsch-verschontem Weg geschossen.

Es gibt immer eine Lösung, um mit dem Regen zu leben.

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Kommentare: 4
  • #1

    Claudine (Montag, 29 Juni 2015 18:21)

    Envoie-nous un peu de pluie du Bangladesh....en Touraine , la canicule arrive!!! (38°C)

  • #2

    Eva (Dienstag, 30 Juni 2015 09:52)

    Liebe Emilia!
    Wieder einmal hast du anschaulich das Alltagsleben an einer Schule beschrieben.Wenn man den Artikel liest, geht man selber durch den Matsch! Natürlich ist es wieder ein Artikel, der nach den Ferien für unsere Schüler zum Lesen an der Bangladesch-Infowand ausgehängt ist. Wer nur, wird uns demnächst berichten? Das war für uns am MEG eine tolle Zeit mit dir und ich sage dir von ganzem Herzen ein großes Dankeschön. Eva

  • #3

    Helga Pfeffer (Dienstag, 30 Juni 2015 11:12)

    Herrlich, diese Fotoserie und immer wieder fröhliche Kinder- Danke! Oma

  • #4

    Gerdi und Thomas (Samstag, 04 Juli 2015 14:36)

    Wir können uns diese Regenzeit und das feuchte Leben gar nicht so recht vorstellen. Bei uns trocknet im Moment alles aus. Wie Prionto das Unvermeidliche gelassen nimmt, ist toll. Grüße an ihn, solltest Du ihn nochmal sehen.