Steinhügel voller Fabelwesen - Freitagsausflug nach Paharpur

Freitags ist mein freier Tag und ich hatte das Glück meine Freiwilligenfreundin Elisabeth zu Besuch zu haben. Zusammen haben wir uns wie zwei echte Touristen mit Kamera und Regenschirm (es hatte noch am Mittag in Strömen gegossen, und viele  Bengalen hatten sich in ihren Häusern verkrochen)bewaffnet und sind zu einer der berühmtesten Plätze in Bangladesch auf gebrochen, das mehr als 1200 Jahre alte Paharpur, was übersetzt so viel wie Hügel heißt.

Als der Buddhismus noch die vorherrschende Religion in Bengalen war, wurde hier die größte Universität dieser Zeit erbaut. Die gelehrtesten der buddhistischen Mönche versammelten sich in der riesigen, reichverzierten Anlage um noch mehr zu studieren. Es gab 177 Schlafzellen, Küche, Toiletten, Stupas und Verwaltungsgebäude, die um ein kreuzförmiges Hauptgebäude erbaut wurden.

Das Universitätsgebäude selbst erhob sich hoch über die flache Landschaft ringsumher.  Die vier Seitenflügel mit den dickgemauerten Wänden waren Klassenzimmer und in der Mitte, nur durch ein paar schmale Gänge erreichbar, war ein geheimer, zentraler Raum eingebaut, den nie ein Strahl Tageslicht erreichte. Dort stand die Buddhastatue und dort wurden auch alle weltlichen Sachen von Wert eingelagert.

Die buddhistischen Mönche brachten die Hindu-Bauern der Gegend, die das Kastensystem satt hatten, dazu zu ihrer Relgion überzutreten. Das verärgerte die hinduistischen Könige sehr und sie griffen Paharpur mehrmals and und zerstörten es schließlich ganz. Vergessenheit legte sich über die Ruinen und mit den Jahren wuchs ein Dschungel auf den alten Steinen und bedeckte alles. Als die Briten viele Jahrhunderte später in die Gegend kamen, wunderten sie sich über den einsamen Hügel in der weiten, flachen Landschaft und begannen zu graben. Anfang des 20. Jahrhunderts legten sie langsam die alten Schätze unter den Baumwurzeln frei, aber es sollte noch bis in die 80er Jahre dauern, bis Paharpur ganz erforscht und von der bengalischen Regierung als Tourismusziel vermarktet wurde.

Seit 1985 ist Paharpur UNESCO Weltkulturerbe.

Um Paharpur herum liegt meine Projektregion, die kleinen Dorfschulen veranstalten manchmal ein Picknick an dem Ort,  den die Regierung eingezäunt und mit Büschen in seltsamen Formen bepflanzt hat. In der Nähe gibt es noch mehr als ein Dutzend anderer, kleinerer Hügel, unter denen sich Überreste alter, buddhistischer Gebäude  verbergen. Einige sind mit Gras bedeckt und Ziegen weiden darauf, andere werden langsam, so wie es das Regierungsbudget erlaubt, ausgegraben und restauriert.

Was ist übrig geblieben in Paharpur, für neugierige Touristen wie uns? Ein Steinhügel voller Fabelwesen, seltsam verrenkter Götter und unförmiger grüner Elefanten, die man streicheln kann.


Wer mehr echte Fakten erfahren will, über eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bangladeschs und des Südasiatischen Kontinents, kann hier  nach schauen:


Wikipedia Artikel

Blogeintrag meiner Freiwilligenfreundin Maike, die vor mir da war




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Kommentare: 1
  • #1

    Gerdi und Thomas (Samstag, 04 Juli 2015 14:52)

    Der Elefant im Relief gefällt uns besser als der grüne - wie alt mag er wohl sein? Ist es gar der elefantenköpfige Ganescha?